Im Winter 1995 wurde von einigen Göttinger und Berliner Studenten Unmut darüber geäußert, dass im geschichtswissenschaftlichen Studium den theoretischen Grundlagen des Faches nur selten Aufmerksamkeit geschenkt würde. Gemeinsam mit weiteren Interessierten aus Bielefeld, Bochum und Kiel wurde im darauf folgenden Jahr der Arbeitskreis Geschichte+Theorie mit dem Ziel gegründet, ein interdisziplinäres Diskussionsforum für die theoretische Grundlegung historischen Arbeitens zu bieten. An den Bedürfnissen von Nachwuchshistorikern orientiert, soll der Arbeitskreis zu einer theoriegeleiteten Reflexion über die jeweiligen Forschungsarbeiten seiner Mitglieder einladen. Die Einsicht in die grundsätzliche Theoriebedürftigkeit der Geschichtswissenschaft (Reinhart Koselleck) bildet gepaart mit einem weit reichenden Interesse an praktisch-empirischer Umsetzungsarbeit das zentrale Anliegen des Kreises (vgl. Theorie).
Neben der Diskussion laufender Forschungsprojekte und der unterschiedlichen Qualifikationsarbeiten seiner Mitglieder beteiligt sich der Arbeitskreis ebenfalls an der Debatte um die kulturgeschichtliche Erweiterung der Geschichtswissenschaft. Bisherige Schwerpunkte gemeinsamen Arbeitens umfassen insbesondere die Gebiete der Erfahrungsgeschichte, der Repräsentationsgeschichte, der Intellectual History sowie der Kulturgeschichte der Politik. Seit seiner Gründung hat der Kreis in halbjährlichem Abstand semiöffentliche Workshops und Tagungen zu den verschiedenen Schwerpunktthemen und anderen Gegenständen von gemeinsamen Interesse veranstaltet.
In den Jahren 2001 bis 2003 hat sich der Arbeitskreis Geschichte+Theorie zusätzlich und ergänzend zu seiner bisherigen Schwerpunktarbeit auf die Entwicklung eines eigenen Ansatzes innerhalb der Medien- und Kommunikationsgeschichte konzentriert. Im Rahmen einer dreistufigen Annäherung an historische Kommunikationsverhältnisse sollten dabei insbesondere Veränderungen im Verhältnis von Kommunikation, Medien und Öffentlichkeit im Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft untersucht werden.
In einem zweiten thematischen Schwerpunkt widmete sich der Arbeitskreis von 2003 bis 2007 der Geschichte der Emotionen. Aufbauend auf der Auseinandersetzung mit bisherigen Ansätzen der Emotionsgeschichte thematisierte der Arbeitskreis auf drei öffentlichen Tagungen insbesondere die Wechselverhältnisse von Emotionen und Medien, Emotionen und Wissenschaft sowie Emotionen und Männlichkeitsentwürfen im 19. und 20. Jahrhundert. Er erweiterte so die Emotionsgeschichte durch Ansätze der Medien-, Wissenschafts- und Geschlechtergeschichte.
Die letzte öffentliche Tagung zum Thema Eine Geschichte der Tiere - eine Geschichte der Gefühle fand am 22. und 23. Mai 2010 in Berlin statt.
Die letzte interne Tagung zum Thema Ökonomie & Geschichte fand am 13. und 14. November 2009 in Berlin statt.